Im Fokus der diesjährigen „E-world energy & water“ stehen die Herausforderungen der Energiewende und des Klimaschutzes für unsere Gesellschaft. Die künftige Energiepolitik war auch eines der beherrschenden Themen der politischen Diskussion im vergangenen Jahr. Die Reaktorkatastrophe in Fukushima hat in Deutschland ein Umdenken über die Zukunft der Kernenergie ausgelöst. Bundestag und Bundesrat haben den Ausstieg aus der Atomenergie endgültig beschlossen. Darüber gibt es nun einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen ist seit langem fest davon überzeugt, dass wir uns und den nachfolgenden Generationen das Risiko und die Kosten dieser Form der Energieerzeugung nicht aufbürden dürfen.
Die Energiewende stellt die Energiewirtschaft und große Teile der Industrie vor enorme Herausforderungen. Das gilt für Nordrhein-Westfalen als Energieland Nr. 1 in Deutschland ganz besonders. Die größten Energieversorger haben hier ihren Sitz, rund 30 Prozent des deutschen Stroms werden hier erzeugt und rund 40 Prozent des deutschen Industriestroms werden hier verbraucht.
Die Landesregierung hat sich zudem ehrgeizige Klimaschutzziele gesetzt. Wir wollen, dass Nordrhein-Westfalen zum Vorreiter für den Klimaschutz wird. Die Treibhausgasemissionen sollen bis zum Jahr 2020 um mindestens 25 Prozent und bis zum Jahr 2050 um mindestens 80 Prozent gegenüber dem Stand 1990 gesenkt werden.
Dazu brauchen wir mehr Ressourcenschutz, mehr Ressourcen- und Energieeffizienz, den Ausbau der Erneuerbaren Energien und den sparsameren Umgang mit Energie. Die Aufgabe der Unternehmen liegt noch mehr als bisher darin, wettbewerbsfähige technische Lösungen zu entwickeln. Zugleich muss die Politik für stabile Rahmenbedingungen sorgen. Für die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen haben dabei Versorgungssicherheit und Stabilität der Energiepreise den gleichen Stellenwert wie die ökologischen Zielsetzungen. Wir wollen und wir werden die Position Nordrhein-Westfalens als größte und wichtigste Wirtschaftsregion Deutschlands festigen.
Klimaschutz und Atomausstieg bedeuten aber nicht nur wirtschaftliche Risiken, sie bieten auch vielseitige Chancen. Der Klimaschutz kann zum Fortschritts- und Wachstumsmotor für die Wirtschaft werden. Nordrhein-Westfalen ist bereits heute ein idealer Standort für viele zukunftsorientierte Unternehmen, die innovative Energieprodukte und -dienstleistungen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Nutzung der regenerativen Energien anbieten. Nach einer Studie des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien erwirtschaften mittlerweile 3.400 Firmen mit mehr als 24.000 Beschäftigten im Bereich erneuerbare Energien einen jährlichen Umsatz von sieben Milliarden Euro. Nicht nur dort gibt es Potenzial für weitere wirtschaftliche Dynamik und Arbeitsplätze, Chancen bieten auch Bereiche wie alternative Antriebstechniken, intelligente Netze oder auch die Gebäudetechnik.
Um diese Möglichkeiten nutzen zu können, müssen wir Transparenz über Ziele und Erwartungen schaffen. Das geht nur im Dialog. Auf dem ersten Energiegipfel im Oktober 2011 hat die Landesregierung deutlich gemacht, dass es darum geht, die Umwelt zu schützen und zugleich unsere Wirtschaft stärker zu machen. Beides geht. Wir werden uns dafür einsetzen, dass Energie bei allen klimapolitisch notwendigen Maßnahmen bezahlbar bleibt, damit unsere Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben.
Branchentreffs wie die „E-World energy & water“, die in diesem Jahr dem Thema Energiewende ein eigenes Diskussionsforum widmen, bieten darüber hinaus eine hervorragend geeignete Plattform, die Konsequenzen, Anforderungen und Potenziale der energie- und klimapolitischen Neuausrichtung verstärkt in das Bewusstsein von Wirtschaft und Verbrauchern zu rücken.
Ich würde mich freuen, wenn auch dieser Branchentreff mit dazu beiträgt, die wirtschaftlichen Chancen der veränderten umwelt- und energiepolitischen Rahmenbedingungen stärker zu betonen. Den Veranstaltern, Ausstellern und Gästen wünsche ich interessante und ertragreiche Messetage.
Hannelore Kraft
Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen



